Last updated on 10. März 2026
Kleine Zeitreise
Wir befinden uns Ende der 90ger, Anfangs 2000er. Du bist auf der Suche nach deiner ersten Karre. Da wurde nichts aus München oder Sindelfingen geleast, sondern beim Dorfgaragisten der alte Hobel der schon länger dort stand und noch knapp die MFK schaffte GEKAUFT, in Bar, mit dem Stiftenlohn.
Und was war dann die erste Amtshandlung? Richtig, die Fahrt zum Mediamarkt, hinten Links in die Car-Hifi Abteilung. Da hat man dann weniger nach technischen Angaben, sondern mehr nach visuellen Reizen sich eine Komplettanlage zusammengestellt. Vollgepackt schnell zurück aufs Land und dann als erstes, ganz obligatorisch, das alte Kassettenradio aus dem Single-DIN-Schacht rausgeschmissen. Wobei, „Single“ muss dabei eigentlich nicht extra erwähnt werden. Doppel-DIN-Schacht, gabs das damals überhaupt schon?
Nun denn, eifrig die blauen und roten fetten Batterie- und Endstufenkabel, die selbstverständlich halbdurchsichtig isoliert waren, verlegen. Nicht öppe versteckt irgendwo hinter der Verkleidung, sondern einfach unter die Autoteppiche gelegt. Passt schon. Muss jetzt schnell gehen. Oh Moment, aber die fetten Sicherungen im transparenten Gehäuse mit vergoldeten Anschlüssen muss man natürlich schon noch irgendwo sehen können, landen dann aber später zusammen mit der Endstufe im Kofferraum oder bei der Batterie, wo dann die tollen, blau hinterleuchteten VU-Meter-Nadeln völlig publikumslos im Dunkeln zu den wummernden Streetparade-Mixes von DJ Mind-X und Snowman über die Skala juckten.
Damit hätten wir dann auch den Wert des Chlapfs verdoppelt.

Und ich habe damals sogar tierisch tief ins Portemonnaie gelangt und mir einen MP3-CD-Player gegönnt. Hjaja min Jung, Nobel geht die Welt zu Grunde. Begleitet von der Mini-Licht-Show zwischen Play- und Eject-Taste konnte ich also meine, via Gnutella oder eDonkey2000 (Napster war ja so was von Mainstream), gedownloadeten Songs auf meinen selbstgebrannten CD-R oder CD+R oder, ganz verreckt und unnötig, weil nie jemals rewrited, auf CD-RW oder CD+RW abspielen. Natürlich gingen nur die mit Plus (oder nur die mit Minus?) Wer wusste das schon. 100er Spindel fürn Arsch.
Ja und dann bist du damit an die Tankstelle und hast für 1.19 CHF Bleifrei 95 getankt, und Mitte 2000 bist du schier verreckt weils kurzzeitig auf 1.50 gesprungen ist. In Aarau hab ich mal für unter 1.10 getankt! Die Fahrt hat sich sicher gelohnt. Doch doch, früher ist man einfach so eine halbe Stunde, Stunde mit Wumms aus dem Subwoofer durch die Landschaft gefahren und danach hatte sich der Jungspund wieder gesundberuhigt. Die Musiker hiessen ja nicht umsonst Dr. Motte, Dr. Alban oder Die Ärzte…ich meine Hallo!?
Und man hat damals wirklich nur getankt. Tankstellenshops? Maximal beim Fressbalken. Aber ja nicht dort Tanken, sondern noch im Dorf, bevors nach Kriens in die Wallstreet ging, oder nach Thal in die Arena (wir hatten Pech, Nella Martinetti hatte einen Gastauftritt). Die Mitinsassen verdammt zum Mithören. Das Ohrenpfeifen schon vor der Party.
DA VORE MUSCH USE – HÄ?
Wir springen 25 Jahre vorwärts
Irgendwann diesen Frühling. Ich sitze im Van und die Scheiss Musikanlage rebootet im Sekundentakt. Also das Retrosound-Radio. Später im August läuft zwar das Radio wieder, aber weder der Bluetoothconnector noch der Verstärker tun ein Mucks.
Diagnose: Die Versorgerbatterie – Optima Yellow Top 75Ah – ist am Arsch. Nach nur 4 Jahren. Vermutlich Tiefentladung durch zu schwachen Alternator. Hätte hätte Ladebooster. Oder ich vergass einfach mal den Off-Schalter zu betätigen. Bin ja auch gealtert. Oder die Qualität von Optima ist nicht mehr das, was sie mal war. Oder von allem ein bisschen…
Nun stand ich also wieder einmal vor einer gewichtigen Amtshandlung: bzw. einem Grundsatzentscheid: Ersetze ich einfach die Versorgerbatterie 1:1, oooooder, wie schaut eigentlich die mobile Audio-Landschaft im Jahre 2025 aus? Was hat sich in den letzten 25 Jahren getan? Und wie alt ist DJ Mind-X heute?
Das und vieles mehr in der nächsten Folge.
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