Um 9:00 haben wir unsere Hütte am See verlassen. Sehr bald schon sahen wir Wegweiser mit unserem heutigen Tagesziel: Nordkap. Da wir in unseren Reiseführern sowie in Stockholm vom Basler Ehepaar davor gewarnt worden sind, dass es in diesen Breitengraden nicht gerade viele Tankstellen gibt, haben wir vorsichtigerweise nach je 100km bereits wieder vollgetankt. Aufpassen muss man auch, dass man sich nicht einfach auf jede Tankstelle die irgendwo eingetragen ist verlässt. Nicht alle Tankstellen sind offen, viele sind unbedient (also nur mit Kreditkarte möglich), und einige, vorallem in Finnland, nur mit finnischen Karten benutzbar.
Die Büsche und Bäume wurden noch niedriger und karger und bald schon hatten wir das Meer auf unserer rechten Seite.
In Olderfjorden beginnt die einzige Strasse ans Nordkap. Alles was jetzt kommt, fahren wir also noch einmal retour. Die Strassen sind in einem viel besseren Zustand als die Strassen der letzten 2 Tage. Das Wetter ist wieder einmal herrlich. Dafür macht der Keilriemen immer mehr Probleme. Vorgestern und gestern quietschte er nur bis 40km/h, heute bereits bis knapp 60km/h. Als dann bei einem der Tankstopps auch noch der Kühlschrank, bzw. die gesamte Bordbatterie ausfiel, fuhren wir bei einer Raststätte raus. Der Keilriemen war tatsächlich sehr locker geworden. Das hatte Mario ja bereits auf der Testfahrt nach Salzburg einmal gehabt, also Werkzeugkoffer auspacken und den Keilriemen anziehen. Die Bordbatterie wurde durch den Tiefentladeschutz vom Netz gehängt. Schuld daran war, wie sich schnell herausstellte, eine durchgebrannte Sicherung. Selbstverständlich hatten wir eine zweite dabei, nun läuft auch das alles wieder.
Nebst Rentieren sind nun auch ab und zu Schafe auf der Strasse. Vorsicht ist geboten.
Das Nordkap liegt auf einer Insel. Ein Strassentunnel unter dem Meer durch führt darauf. Eine Durchfahrt kostet für 1 Auto und 2 Personen 192 NOK. Zuerst fährt man ca. 2km bergab (Hinweis: die Einfahrt befindet sich aber auf Meereshöhe). Dann gehts einige Kilometer geradeaus, bevor man den „Berg“ wieder hochfährt. Velofahrer bezahlen übrigens nichts, aber wir hoffen sehr, dass die auch einen eigenen Tunnel oder so haben, ich möchte da nicht mit dem Fahrrad durch!
Das Nordkap kommt immer näher. Es sind sehr viele Velofahrer unterwegs, in beide Richtungen, wie auch immer, sie alle sehen sehr erfroren aus. Eine Gruppe tschechischer Fahrer kam uns auf der Höhe Honningsvåg entgegen, und auf den letzten Kilometern vor dem Nordkap kämpfte sich ein Japaner mit seinem Drahtesel einen der vielen Hügel empor.Mit dem Auto kriegt man fast ein schlechtes Gewissen, was sich jedoch mit einem kurzen Kickdown auf das V8-Gaspedal schnell wegzaubern lässt 🙂
Ein Eintritt für zwei Personen ans Nordkap kostet NOK 470, ist jedoch zwei Tage gültig. Das trifft sich wunderbar, haben wir doch, gemäss unserem Reiseplan, zwei Tage für den Besuch am Nordkap eingerechnetet. Wir parken den Van am vorderen Klippenrand und können es kaum fassen: wir sind da, am Nordkap!
Die letzten hier wachsenden Grashalme stehen auf Sturm; wir montieren also unsere Windjacken und Kappen und begeben uns zum Tourist-Center. Unglaublich was es hier alles gibt; mal abgesehen von den „normalen“ Touri-Attraktionen (Souvenir-Shop, Postkarten, Coffee Bar, etc) gibt es hier sogar ein Kino 😉 But who cares a cinema when you are at the North Cape…?
Endlich stehen wir bei der Kugel, dem Wahrzeichen des Nordkaps. Die Sicht über das Meer und der Anblick der steilen Klippen sind unglaublich schön! Sogar das Wetter macht heute mit, es windet zwar relativ stark, dafür ist die Luft umso klarer und die Sicht umso besser. Selbstverständlich lassen wir auch von uns die obligaten Touri-Pics knipsen, bevor wir uns dann zum Aufwärmen wieder ins Tourist-Center begeben. Mit einem sensationellen Panorama-Ausblick geniessen wir eine köstliche Hummersuppe (1 Refill inklusive) und eine Platte mit King-Crabbs.
Wieder voll bei Kräften „schneuggen“ wir noch durch den Souvenier-Shop, kaufen Mitbringsel (alle völlig überteuert, logisch), und Postkarten. Als wir dann zum Van zurück kamen trauten wir unseren Augen kaum: genau neben uns steht ein Wohnmobil mit einer Bündner-Nummer;-) Noch während wir verblüfft zwischen den beiden Autos stehen, begrüsst uns das Paar aus dem Prättigau freundlich. Auch sie sind soeben angereist und werden zwei Tage am Nordkap verbringen. Wir hielten einen kurzen Schwatz und verabschiedeten uns mit einem „bis morn“.
Seit unserer Abfahrt in Untersiggenthal reisen zwei Flaschen Wettinger-Lägerbräu mit uns, mit dem Ziel, diese bei der Ankunft am Nordkap zu trinken, wir haben quasi ein Stück Heimat mit ans Nordkap genommen.
Wir deponieren also unsere Souvenir-Einkäufe im Van, schnappen uns das Lägernbräu, gehen nochmals zur Spitze des Kaps und stossen auf unser erstes erreichtes Reiseziel an (extra kühlstellen mussten wir das Bier nicht, bei den aktuell herrschenden 6 Grad übernimmt die Natur die Kühlung automatisch).
Gegen 16 Uhr trafen wir dann auf dem Campingplatz Kirkeporten in Skarväg ein, dem nördlichsten Campingplatz Europas. Aufgrund der Temperaturen mieten wir auch hier wieder eine Hütte, diese ist allerdings um einiges grösser als die gestrige.
Unser Nachtessen genossen wir im Camping-Restaurant: Rentierfilet mit Gemüse und Karoffelstock.
Quasi als Dessert liessen wir, zurück in unserer Hütte, die Champiskorken knallen (Danke an Dad und Mami) und stiessen nochmals auf unser heute erreichtes Ziel an.